Das weltweit größte Tieropferfest in Nepal

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Anfang Dezember fand erneut das weltweit größte Tieropferfest in Nepal statt – selbst nachdem das Verbot ignoriert wurde. Trotz der Bemühungen, diese blutige Tradition zu beenden, werden Tausende Büffel auf dem Hindu-Festival geschlachtet. Im Jahr 2009 wurden auf dem Höhepunkt des Festivals rund 500.000 Büffel, Ziegen, Tauben und andere Tiere getötet. Anhänger glauben, dass das rituelle Schlachten viel Glück bringt und ermutigen Gadhimai, die hinduistische Göttin der Macht, auf ihre Wünsche einzugehen.

Über das Gadhimai-Fest

Die Tradition geht auf einen gefangenen Priester zurück, dem noch vor mehreren Jahrhunderten die hinduistische Göttin der Macht „Gadhimai“ in den Traum kam und versprach, ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Vergossenes Blut soll sie dazu ermutigt haben, so dass dieser Legende nach die ersten Opfer in Bariyarpur noch vor einigen Jahrhunderten stattfanden. Hinduistische Anbeter haben damit begonnen, Tausende von Büffeln bei dem angeblich größten Tieropfer der Welt zu töten, das alle fünf Jahre in einer abgelegenen Ecke Nepals stattfand – trotz aller Bemühungen, das Blutvergießen zu beenden. Für die Hunderttausenden von Gläubigen, die aus Indien und Nepal zum Tempel reisen, ist es eine Gelegenheit, ihre Wünsche erfüllen zu lassen.

Das Gadhimai-Fest begann in den frühen Morgenstunden unter strenger Bewachung mit dem zeremoniellen Abschlachten einer Ziege, einer Ratte, eines Huhns, eines Schweins und einer Taube. Ein lokaler Schamane bot dann Blut von fünf Punkten seines Körpers an. Ungefähr 200 Metzger mit geschärften Schwertern und Messern gingen dann in eine ummauerte Arena, die größer als ein Fußballfeld ist und mehrere tausend Büffel enthielt, während aufgeregte Pilger auf Bäume kletterten, um einen Blick darauf zu erhaschen.

Lizenziert unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz. Fotograf: Dinesh 2016

Tradition trotz Verbot

Vor etwa fünf Jahren kündigten Tierschutzorganisationen das Ende des Tieropfers bei einem religiösen Fest an, das als “das blutigste der Welt” bezeichnet wurde. Obwohl es versuche gab, das Fest zu verbieten, haben die Menschen Vertrauen in die Tradition und sind mit ihren Opfergaben gekommen. Tausende von Gläubigen aus Nepal und dem benachbarten Indien hatten im Vorfeld des Ereignisses im Dorf Bariyarpur nahe der indischen Grenze tagelang im Freien geschlafen und gebetet. Schätzungsweise 200.000 Tiere, von Ziegen bis Ratten, wurden während des letzten zweitägigen Gadhimai-Festivals zu Ehren der hinduistischen Machtgöttin geschlachtet.

Viele hofften, dass die blutige Tradition enden würde, als die Tempelbehörden 2015 ein Verbot angekündigt hatten. Auch der Oberste Gerichtshof Nepals hat der Regierung angewiesen, das Blutvergießen zu unterbinden. Es wurde versucht, den Zustrom von Tieren zu verhindern: Die indischen Behörden begannen, Tiere zu beschlagnahmen, die von nicht lizenzierten Händlern über die Grenze gebracht wurden.

Die nepalesische Regierung hat laut Motilal Kuswaha, dem Vorsitzenden des Festivals, ebenfalls keine Unterstützung dem Festival geleistet. Die Tiere erreichten jedoch weiterhin den Tempel in Bariyarpur, etwa 150 km südlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, wo sich rund 200 Metzger auf ihre Arbeit vorbereiteten. „Die Kosten des Festivals – einschließlich kostenloser Mahlzeiten und Zelte – wurden durch Spenden gedeckt“, sagte Kushwaha gegenüber der BBC.

Tieraktivisten hoffen dennoch, dass ihre Botschaft ankommt

Im Jahr 2015 verkündeten die Humane Society International (HSI) und das Tierschutznetzwerk Nepal (AWNN) den “Sieg” und sagten, Tieropfer seien verboten worden. Aber Ram Chandra Shah, der damalige Vorsitzende des Tempels sagte, dass keine solche Vereinbarung getroffen worden sei: „Fromme Hindus könnten zwar aufgefordert werden, der Göttin kein Tieropfer darzubringen, aber sie könnten nicht gezwungen werden, dies nicht zu tun. Die Tradition kann weder verboten noch vollständig gestoppt werden.“

Trotz der Tatsache, dass das Festival erneut stattgefunden hat, hofften Tieraktivisten jedoch immer noch, dass ihre Botschaft ankommt, denn die Zahl der getöteten Tiere nimmt allmählich ab. Alokparna Sengupta, Geschäftsführerin von Humane Society International in Indien, sagte, es sei eine der bedrückendsten und herausforderndsten Erfahrungen ihres Lebens, auf dem Festival zu sein. „Die Regierung muss mit Nachdruck handeln, um zu verhindern, dass dieses Blutbad erneut stattfindet oder das Land die Auswirkungen eines Touristenboykotts spürt.“